HIITU - ein "Dream Team" #madewithgoodvibes oder doch nicht?!

Schwestern, Business-Partnerinnen, beste Freundinnen, Streithennen - ein Erfahrungsbericht.
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Ein bisschen mehr als vier Jahre ist es inzwischen her, dass Carlotta mich gefragt hat, ob wir HIITU gemeinsam als Schwestern-Business aufbauen wollten. Ursprünglich war es ihr Baby, begonnen als Nebenprojekt an der Uni. Den Mut aufzubringen, es als richtiges Unternehmen alleine aufzuziehen, war schwer – ist schwer für die meisten Menschen. Allerdings ist die richtige Partnerwahl beim Gründen auch kein Zuckerschlecken...

Als alles anfing.

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Carlotta und ich ergänzen einander eigentlich super. Sie ist die Kreativ-Chaotische voller Ideen und Euphorie, ich mag’s strukturiert, finde gerne Lösungen und hab einen Adlerblick - eine symbiotische Gegensätzlichkeit, perfekt fürs Aufbauen eines Accessoires Labels, fanden wir. Ein „Dream Team“, meinten auch alle um uns herum – wenn auch ein explosives. Denn wer uns kennt, weiß, dass unsere liebende Schwesternschaft auch von einer gesunden Streitkultur geprägt ist.

Was für einen enormen Einfluss die Gründung HIITUs auf unsere schwesterliche Beziehung, wie auch auf unsere jeweilige persönliche Entwicklung nehmen würde, war zum Zeitpunkt der Entstehung unseres kleinen Familienunternehmens nicht einmal im Ansatz greifbar. Ziemlich naiv schrieben wir den Business Plan, kündigten unsere Jobs und starteten im Herbst 2015 in unser Vorhaben hinein.

Unser erster Trip nach Portugal um unsere Lederproduktion aufzubauen.

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Unser erstes Gründerjahr bestand aus zahlreichen Produktionsreisen nach Marokko, Portugal und Kenia – Carlotta und ich waren zu zweit auf unserer ganz persönlichen Abenteuerreise, oft wochenlang 24 Stunden am Tag zusammen. Wir schliefen und aßen gemeinsam, und taten was wir am meisten liebten: kreativ sein, im Austausch mit Menschen und das reisend in der Ferne, an den schönsten Orten der Welt. Und wirklich besonders machte es der Fakt, dass wir das miteinander als Schwestern, beste Freundinnen und Partner in Crime teilen konnten. In dieser Zeit entstand unser Key Sentence „made with good vibes“ und er hätte uns, unsere Produkte und die Kollaborationen mit all unseren tollen Handwerkern nicht besser auf den Punkt bringen können. Mit keiner anderen Person hätten wir diese intensive erste Phase lieber verbringen wollen, beziehungsweise wahrscheinlich hätte es mit keiner anderen auf diese Weise funktioniert. Auch wenn dazwischen mal die Tränen flossen - so wie wir früher unsere Jobs ganz klar mit einem Lauf im Hamsterrad assoziiert hatten, brachten wir unseren Arbeitsalltag als Jung-Unternehmerinnen mit Freiheit und Selbstverwirklichung in Verbindung.

Sourcing Reise nach Marokko.

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Die nächste Phase in unserem Dasein als Gründerinnen war nicht mehr so honeymoon-like. Die Reisen wurden weniger, der Alltag härter, der Stress stieg wie in jedem anderen Start-Up auch. Zu zweit stemmten wir mehr oder weniger alles, was anstand: Design, Produktentwicklung, Produktionsreisen, Einfuhr und Zollabwicklung, Homepage bauen, Kundenservice, Presse, Marketing, Vertrieb, Pop Ups – you name it. Die Nachfrage stieg und wir trauten uns, höhere Stückzahlen zu bestellen. Damit war in unserem Lager plötzlich viel Geld investiert, wodurch wiederum die Belastung und der Druck, unsere Verkaufszahlen zu steigern, anstiegen. Es fühlte sich an wie in einem Teufelskreis und das große Gefühl der Freiheit zog klang und sanglos von dannen.

Das erhöhte Stresslevel tat unserer schwesterlichen Beziehung nicht gut. Carlotta und mich trennt ein Altersunterschied von gut vier Jahren und durch meine Rolle als Ältere sowie meine organisatorische Stärke bin ich beim Aufbau unseres Kleinunternehmens schnell in eine Art Führungsrolle gefallen. Bei Gesprächen mit anderen Gründern in unserm Freundeskreis wurde uns immer wieder bestätigt, dass es normal sei, dass einer die Leitung übernimmt und das sei auch wichtig für ein rasches Wachstum. Bei uns führte meine Führung allerdings zu Konflikten, die von unserer schwesterlichen Dynamik geprägt waren. Carlotta fühlte sich bevormundet, war aber gleichzeitig auch froh, zu wissen, dass ich den Überblick über HIITU hatte. Ich wollte alle Bereiche kontrollieren, fühlte mich aber gleichzeitig überfordert und nicht genügend unterstützt. Ich arbeitete wie eine Maschine und fand es schwer ohne schlechtes Gewissen Pausen einzulegen. Carlotta folgte meinem Tempo aber war nicht glücklich dabei und drängte immer wieder darauf, dass wir an unserer Work-Life Balance arbeiten sollten. Was uns Gott sei Dank immer relativ leicht fiel, war unsere Kommunikation. Wir sahen unsere Probleme wachsen und konnten sie besprechen. Carlotta schlug einen ganzheitlicheren Ansatz zur Lösung unserer Probleme vor. Gemeinsam hängten wir uns rein, um harmonischer miteinander zu arbeiten: Meditation, Yoga, Ayahuasca, Paartherapie, Partnerschaftshoroskop, gemeinsame Quality Time, Auszeiten voneinander, Umziehen in verschiedene Städte – wir probierten viel um die Situation zu entschärfen. Einen gemeinsamen Rhythmus zu finden blieb dennoch schwierig. Besonders die heiße Phase vor Weihnachten in der wir von Verkauf zu Verkauf rasten, brachte unsere Beziehung an den Rand der Zerreißprobe. Im Januar flüchtete am Ende ich zwei Jahre hintereinander in eine Mini-Auszeit und schrubbte am Burn Out vorbei... alles noch immer „made with good vibes“?! Eher nicht.

Natürlich war uns beiden unsere Beziehung wichtiger als der Erfolg unseres gemeinsamen Geschäfts, aber wir hatten auch schon viel Zeit, Arbeit und Geld in HIITU investiert. Das Geschäft lief immer besser, allerdings zu einem hohen Preis. Es ging bergauf und bergab zwischen uns beiden, immer eng verbunden mit dem Stresslevel in dem wir uns befanden, wohlgemerkt Stress, den wir - oder ich - uns selber aufoktroyierten.

Produktionsreise nach Kenia...als es noch gut lief ;)

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Wir drehten uns trotz aller Bemühungen immer wieder im Kreis und im Sommer 2018 erreichten wir unseren Tiefpunkt – zum ersten Mal wollten wir privat keine Zeit mehr miteinander verbringen, wir redeten nur noch über die Arbeit und jeder Dialog endete im Streit. Wir zogen die Notbremse und einigten uns darauf möglichst eigenständig unsere jeweiligen Aufgaben zu erledigen und das Jahr noch hinter uns zu bekommen. Im Januar wollten wir eine längere Auszeit nehmen und uns in Ruhe eine Lösung überlegen.

Die Option ernsthaft zuzulassen, dass wir HIITU wirklich beenden könnten, kam einer enormen Entlastung gleich. Es hätte sich lange Zeit wie Aufgeben angefühlt, aber das tat es nun nicht mehr. Wir hatten unsere Priorität klar definiert: wir stellten uns als Schwestern an oberste Stelle, auch wenn das im schlimmsten Fall das Ende von HIITU bedeuten würde. Und mit diesem Wandel der inneren Einstellung zu unserer Situation begann plötzlich alles wieder runder zu laufen, wir hatten endlich wieder Spaß, das Geschäft lief wie noch nie und zum ersten Mal waren wir Ende 2018 in den schwarzen Zahlen.

Wie vereinbart, haben wir uns dennoch Anfang des Jahres die Zeit genommen, um wieder bei uns selbst anzukommen. Carlotta malte und zeichnete an eigenen Projekten, ich ging intensiv meditieren. Nach zwei Monaten trafen wir uns wieder und eine deutliche Veränderung hatte sich eingestellt: Wir haben uns als eigenständige Menschen wieder klarer definiert und uns von HIITU auf eine gesunde Art und Weise distanziert. Nicht so, dass wir aufhören wollen, aber so dass wir verstanden haben, was uns wirklich wichtig ist. Ein Geschäft mit jemandem zu führen, egal ob Schwester oder sonst wer, bedarf kontinuierlichen Einsatz, sowie Verständnis füreinander. Wir arbeiten jetzt sehr viel bewusster daran, dem anderen den Raum zu schaffen, dass er sein Bestes geben kann – wir sind unterschiedlich und das ist auch gut so. Seit unserem Comeback restrukturieren und optimieren wir und bauen unser Baby stetig weiter auf. Aber wir reiben uns nicht mehr auf – der Preis ist es uns nicht wert. Und siehe da, es läuft dennoch. HIITU ist wieder „made with good vibes“ – nur noch mit sporadischen aber zwischenzeitlich gepflogenen Mini-Streitereien ☺.

Um unser Schwester-Business zu feiern schenken wir euch einen kleinen Rabatt Code - damit ihr eure Schwester, Business-Partnerin, Beste Freundin, Girl- oder Boyfriend oder wer euch sonst einfällt den ihr mit unsere Story in eurem Leben in Verbindung bringt.

Kaufe ein Brillenband und bekomme ein zweites für den halben Preis mit diesem Code:

sisterlove

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Keep enjoying the sunshine together and look for the bright things in life!

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