Köln - Liebe auf den zweiten Blick

Article by Paula Döring
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Köln mag auf den ersten Blick nicht die schönste aller deutschen Städte sein, aber davon darf man sich auf keinen Fall abschrecken lassen! Es lohnt sich auf jeden Fall einen zweiten Blick zu wagen und sich auf die Stadt einzulassen.
Die Stadt und ihre Bewohnerinnen und Bewohner sind rheinische Frohnaturen: jeder wird mit offenen Armen empfangen und es fällt leicht, sich hier wohl zu fühlen.
Im zweiten Weltkrieg fast komplett zerstört, wurde Köln nach und nach wieder aufgebaut und ist ein – manchmal - skurriler Mix aus prächtigen Altbauten, mal mehr mal weniger architektonisch gelungenen Nachkriegsbauten, eleganten Neubauten wie dem Kolumba und natürlich nicht zu vergessen die denkmalgeschützten Sehenswürdigkeiten aus der Römerzeit und dem Mittelalter.
Köln und ich, wir brauchten ein wenig um miteinander warm zu werden, aber auch wenn ich als Düsseldorferin sagen darf, dass meine Heimatstadt die eigentlich hübschere von beiden ist, so ist Köln nicht nur von den Einwohnerzahlen her eindeutig größer und weltoffener, sondern auch bunter und lebhafter.
  
Ich freue mich euch hier auf eine kleine Reise mitnehmen zu dürfen:
 

KAFFEE IN KÖLN


Köln ist noch immer eine Medien- und natürlich auch Studentenstadt. Mit mehr als einer Million Einwohnerinnen und Einwohnern ist in den Veedeln, wie man hier die Stadtteile nennt, einiges los. Nachhaltigkeit wird inzwischen fast überall groß geschrieben, so gibt es natürlich auch viele Cafés die fairen Kaffee verkaufen und Getränke und Essen aus eigenen Anbauten beziehen. Kölnerinnen und Kölner sind gesellig und tauschen sich gerne aus, so sind Cafés und Restaurants zu jeder Tag- und Nachtzeit gut besucht.
 
Café Wahlen
 Das Café Wahlen ist eines der traditionsreichsten Häuser in Köln und hat seit 1911 seinen festen Platz in der Kölner Innenstadt. Die Holzstühle mit den weinroten Samtbezügen, die Kronleuchter, die Blumentapeten stammen aus den 50er Jahren, und auch die weiß gestärkten Tischdecken und die Bedienungen mit klassischer Schleife an den Schürzen erinnern an längst vergangene Zeiten.
Was ich an Köln besonders mag ist, dass sich in solchen Institutionen die Gäste mischen: ob alt ob jung, ob Student*in oder ältere Damen, die Patiencen legen, alle kommen hier vorbei um sich auszutauschen und vielleicht auch die „Wahlen-Spezialität“ zu essen - frischer Baumkuchen. Alle Torten und Kuchen sind selbst gemacht und können gleich hinter der Eingangstür in den reich bestückten Vitrinen ausgesucht werden. Die ruhige Caféhaus-Atmosphäre lädt gerade jetzt in der trubeligen Weihnachtszeit zum Verweilen und Aufwärmen ein.
  
Bar Schmitz, Salon & Metzgerei
 Auch das Schmitz ist mittlerweile eine Institution, die aus dem Belgischen Viertel nicht mehr wegzudenken ist. Alles begann mit der Metzgerei auf der Aachener Straße, eine dicht befahrenen Straße, die im ersten Augenblick so gar nicht mit gemütlichem Kaffeetrinken in Verbindung assoziiert wird. Jedoch schmecken die hausgemachten Kuchen, der Café und die frischen Salate und Quiche und ausgewählten warmen Speisen so unglaublich gut, dass man gar nicht anders kann als dort einzukehren. Namensgeber ist tatsächlich die „Metzgerei Schmitz“, eine der ältesten Metzgereien der Stadt,  die in ihrem Inneren nahezu unverändert und erhalten ist. Der Laden wurde so gut angenommen, dass gleich nebenan der Salon öffnete - mit viel mehr Platz und immer wechselnden Ausstellungen - sowie Coco, einer kleinen Disko im Untergeschoss, und vor kurzem dann auch die Bar Schmitz. Das Restaurant, das ein wenig teurer als seine kleinen Schwestern ist, ist einer der schönsten Räume der Stadt und für das Eis stehen die Leute gerne in langen Schlangen vor der Tür. 
 
 
Markthalle
Doch immer noch irgendwie ein Geheimtipp ist die Markthalle. Direkt um die Ecke vom Brüsseler Platz, dem Zentrum des Belgischen Viertels, liegt die 400qm große Halle etwas versteckt im Hinterhof. Wer durch die Toreinfahrt der Maastrichter Straße 45 geht, steht in einem Meer aus Blumen vor einem umgebauten und renovierten Installationsgroßhandel. Auf 2 Etagen findet man hier alles was das Herz begehrt: im Untergeschoss ein Restaurant mit täglich frischen Gerichten, oben eine Metzgerei, Bäckerei, frisches Gemüse und Obst und eine kleine Espressobar. Bei jedem Wetter kann hier von Montag bis Samstag eingekauft werden und man kann sich das Gekaufte sogar per Fahrradkurier heimbringen lassen, wenn nötig.  Mit besonderem Augenmerk auf regionale Erzeugnisse und Einbindung regionaler Lieferanten.
 

RESTAURANTS & BARS

 
NENI
 Wenn in Köln ein Restaurant und/oder eine Bar neu aufmacht, trifft sich dort die gesamte Stadt und es ist unmöglich ohne Reservierung einen Tisch zu bekommen. So geschehen gerade erst mit dem NENI und der Monkey Bar: in der 8ten Etage sind Restaurant und Bar die Highlights des 25hours Hotel The Circle. In entspannter Atmosphäre und bei einem beeindruckenden Blick über Köln und auf den Dom können im NENI Jerusalem-Teller, Hummus, Falafel und Co. im Balagan-Stil geteilt werden. Das NENI ist ein echter Familienbetrieb, denn die vier Buchstaben stehen für Nuriel, Elior, Nadiv und Ilan – die vier Söhne der Küchenvirtuosin Haya Molcho. Unbedingt reservieren!
   
Wallczcka
 Ich kenne Julia schon ewig, da wir in Düsseldorf zusammen zur Schule gegangen sind. Umso mehr freute ich mich, als ich sie nach all den Jahren in Köln wieder traf und sie mir vom „Wallcka“ erzählte: ihrem Lokal, dass sie bald mit einer Freundin gemeinsam eröffnen würde. Heute ist der Laden schon nicht mehr aus Köln wegzudenken. Julia und Iga sind seit Langem gastronomieerprobt und haben im „Wallczka“ nichts dem Zufall überlassen: so ist ein Raum entstanden, der zum Verweilen einlädt, zum geselligen Beisammensein, aber man kann sich hier auch gut mit dem Laptop zurückziehen, den sehr guten Kaffee trinken, dabei arbeiten und ab und an einen Blick durch die große Fensterfront auf das fröhliche Durcheinander Neu-Ehrenfelds werfen. Von morgens bis abends geöffnet, setzen die beiden auf hohe Qualität ihrer Produkte: Milch vom Bauern, Bioeier aus der Eifel. Die Küche verbindet Asiatisches, Orientalisches und Mediterranes. Die Speisen werden auf kleinen Tellern serviert. Zu teilen, sich gegenseitig was hin- und herschieben, über den Tisch greifen, kommunizieren und das Essen zu einem Erlebnis werden zu lassen, das gehört im Wallczka zum Konzept.
    
La Fonda & Qvest
 Im Jahr 2014 eröffnete im alten Historischen Archiv der Stadt mitten im Gereonsviertel das Hotel „The Qvest Hidaway Cologne“.  Das Hotel und vor allem die Bar sind noch immer ein absoluter Geheimtipp. Das Boutique-Hotel hat nur 34 Zimmer und Suiten und der historische Bau aus dem Jahr 1867 wurde behutsam und mit viel Geschmack umgebaut. Die neugotische Architektur mit Rippengewölbe und Spitzbogen darf uneingeschränkt strahlen und erfährt durch die Innenausstattung mit Design-Klassikern der 50er und 60 Jahre sowie toller zeitgenössischer Kunst stilistisch gelungene Brüche. Die Bar ist auf jeden Fall das Herzstück des Hotels und Nicht-Hotel-Gäste sind unbedingt willkommen!
Gleich nebenan, eröffnete im Oktober 2018 das Restaurant „La Fonda“ – ebenso stilsicher und mit ausgezeichnetem Essen, macht es die schöne Ecke perfekt.
 
   

SHOPPING

 
Simon und Renoldi
 Mein absoluter Lieblingsladen in Köln ist „Simon und Renoldi“ auf der Maastrichter Straße.  Vor zehn Jahren eröffneten Leonie und Olivia ihren schönen Laden und führen bis heute ein liebevoll ausgewähltes Sortiment an Kleidung, Schuhen und Accessoires. Die Auswahl ist klassisch modern, aber doch immer mit einem kleinen Twist und niemals langweilig: Paul & Joe Sister, Odeeh, iheart, Sonia Rykiel, Lala Berlin, Closed, Billi Bi – alles absolute Lieblingslabels und das ist nur eine kleine Auswahl. Leonie und Olivia stehen selbst noch fast täglich in ihrem Laden, die Beratung ist gut und persönlich, aber nie aufdringlich. Besonders schön ist die kleine Ecke mit einer Auswahl an Kinderkleidung, Spielzeug und was mich besonders freut: meinem Buch „Mein erstes Jahr in Köln“ für alle kleinen Kölnerinnen und Kölner.
   
 
Fairfitters
 Bei Fairfitters gibt es viele auserwählte Produkte von verschiedenen Marken, die fair und nachhaltig produziert werden, u.a. das Kölner Label Armedangels oder auch die französische Turnschuhmarke Veja, die sich für nachhaltige Herstellung begeistern.  Auf 120qm findet ihr Mode, Accessoires und seit neuestem auch Kinderkleidung, die ausschließlich unter ethisch korrekten Bedingungen hergestellt werden. 
     
Où j’ai grandi
 „…ist ein Atelier für Blumendesign im Stil des traditionellen Pariser L'Art du Bouquet und der flämischen Blumenmalerei aus dem XVI. Jahrhundert.“
 
An einem der schönsten Plätze Kölns, dem Rathenauplatz  (hier ist im übrigens im Sommer auch der schattigste und netteste Biergarten Kölns zu finden) kann man sich von Isabelle einen Blumenstrauß zaubern lassen, der so außergewöhnlich und mit Liebe zusammengestellt ist, dass man sich nicht sattsehen kann. In Belgien geboren studierte sie erst Design an der École Supérieure des Beaux Arts Saint Luc, dann Mediale Künste an der KHM in Köln und landete auf diesem Weg in der Modebranche. Nebenbei lebt sie ihre Expertise für Design in der Zusammenstellung von Formen und Farben in der Floristik aus. Es entsteht die Idee für ein Atelier für Blumendesign, 2011 eröffnet sie Où j ́ai grandi („Wo ich aufwuchs“) und 2016 die Dépendance Le Jardin im Apropos Concept Store in Köln. Ihr Händchen für besondere Blumen-Arrangements hinaus bekannt: u.a. Jessie Weiß von „Journelles“ vertraute bei ihrer Hochzeit ganz alleine Isabelle.
 

KULTUR

Museum Ludwig 
Ein Ort, den ich niemals müde werde zu besuchen, ist das Museum Ludwig in Köln. 1975 unterzeichneten das Ehepaar Ludwig und die Stadt Köln einen Schenkungsvertrag und die Ludwigs stifteten 350 Werke moderner Kunst. Voraussetzung hierfür war die Errichtung des „Museum Ludwig“. Der von den Kölner Architekten Peter Busmann und Gidfrid Haberer konzipierte Bau eröffnete 1986 und zählt meines Erachtens nach bis heute zu einem der schönsten Museumsbauten Köln. Der Blick auf den Rhein und die Hohenzollernbrücke sind einzigartig und die Sammlung, die unter Kasper König noch einmal maßgeblich wuchs, ist faszinierend. Es ist ein toller Ort, ähnlich einer alten Freundin, die man gerne besucht, ohne dass es nur eine Sekunde langweilig wird. Im Gegenteil.
   
 
Kolumba
Kolumba ist das Kunstmuseum des Erzbistums Köln, gebaut von dem großartigen Architekten Peter Zumthor. Die ursprünglich romanische, spätgotisch erweiterte Kirche St. Kolumba gehörte zu der traditionsreichsten und größten Pfarrgemeinde der mittelalterlichen Stadt Köln. 1945 durch Bomben bis auf die Umfassungsmauern zerstört, „überlebte“ lediglich eine Kalkstein-Madonna. Gottfried Böhm errichtete 1950 die Sakramentskapelle „Madonna in den Trümmern“. Unmittelbar dahinter liegt ein Ausgrabungsgelände, auf dem archäologische Spuren von 2.000 Jahren europäischer Baugeschichte zu finden sind. Zumthor, bekannt für seine Wertschätzung ursprünglicher Materialien, arbeitet mit dem überlieferten Grundriss und baut auf die vorhandenen Mauerreste auf.
 
 

Meine Lieblingsplätze

 
Fünf meiner ganz persönlichen Lieblingsplätze, die Ihr bei Eurem Köln Besuch einplanen solltet:
 
  1. Im Sommer auf eines der Konzerte auf dem Dach des Museum Ludwig gehen.
  2. Einmal alle 533 Stufen bis zur Dom-Spitze hochgehen und einen unvergesslichen Blick über die Stadt genießen.
  3. Tretbootfahren im Volksgarten.
  4. Einen Kaffee im Ostasiatischen Museum trinken und den Blick über den Aachener Weiher genießen.
  5. Wer im Herbst ein wenig Zeit und Ruhe hat, kann mitten in der Kölner Innenstadt, im Lindenthaler Tierpark Rehe füttern gehen. 
   

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