• • You already have wings - Rumi • •

Eine kleine Geschichte der Farben und ihrer Bedeutung

ROT: Lebensfarbe; Steht für Leidenschaft & gilt als Warnfarbe für Gefahr

ROSA: Steht für Liebe, Sympathie, Mitgefühl und Hilfsbereitschaft

ORANGE: Mischfarbe, steht für Lebensfreude, Begeisterung und Kreativität

GELB: Verbindung zur Sonne, steht für Geist und Intellekt, Inspiration, Wahrheitssuche

BEIGE: Enthält die Wärme von Braun und die Frische von Weiss. Verlässlichkeit, Flexibilität, Ruhe 

GRÜN: Farbe des Ausgleichs + der Harmonie, freudige Energie, innere Ruhe, Natur, Heilung

BLAU: Introversion, Ruhe, Konzentration auf das Wesentliche, Treue, Hingabe. Hellblau - Kreativität, dunkelblau - Intelligenz 

VIOLET: vereint Geist/Körper, Zauberei/Magie, Veränderung, Spiritualität

WEISS: Enthält alle Farben in sich. Farbe des Lichts, Helligkeit, geistige Klarheit, Unschuld

GRAU: Eleganz, Nachdenklichkeit, Sachlichkeit 

SILBER: Vergangenheit, Unbewusstes, Mond, Passivität, Weiblichkeit, Hingabe

GOLD: Weisheit Gottes, Harmonie, Sonne, Aktivität, Zukunft

ROSAGOLD/BRONZE: Liebe & Mitgefühl (Rosa) verbindet sich mit göttlicher Weisheit (Gold)

Wir haben mehr als 250 Millionen Rezeptoren im Auge - Sehen ist unser Leitsinn und Farben vermitteln uns die unmittelbarsten Informationen. Sie erreichen sofort das Stammhirn und lösen Emotionen und Reflexe aus, die wir im Laufe der Evolution gelernt haben.

Farben existieren nicht als Materie und entstehen nur durch eine Brechung des Lichts. Newton entdeckte 1671 diese Brechung auf der Oberfläche von Objekten. Diese schluckt und reflektiert dabei unterschiedliche Teile des Lichtspektrums und die zurückgeworfenen Wellen kreieren somit die Farben die wir wahrnehmen.

Wofür hat die Natur sie eigentlich geschaffen? Farben dienen in erster Linie als Signale. Die Primärfarben Blau, Rot und Gelb sind am stärksten, da das Auge auf Kontraste reagiert, darauf was aus der Umgebung heraussticht – Farben dienen also zum Überleben. So locken beispielsweise bunte Blumen Tiere und Insekten an, die wiederum ihre Pollen weitertragen.

Auch der Mensch reagiert auf Farben. Erste Spuren vom Schmücken mit Farbe gab es bereits im Steinzeitalter. Man hat in afrikanischen Höhlen Muscheln mit Resten von Ocker gefunden, das in Verbindung mit Wasser offensichtlich zum Bemalen der Gesichter verwendet wurde. Es diente zur Individualisierung, man wollte sich von andern durch Bemalung absetzen. Gruppen konnten sich auf diese Weise ein Gefühl der Zusammengehörigkeit geben. Durch Schmuck, Muster und Symbole konnten kulturelle Gemeinschaft gekennzeichnet werden. Farben dienen also als Unterscheidungsprinzip.

Rot wird als Schlüsselfarbe der Evolution bezeichnet, da die Fähigkeit Rot zu sehen entstanden ist, um die Reife einer Frucht zu erkennen. Diese Fähigkeit ist bei Frauen stärker ausgebildet als bei Männern, da sie fürs Sammeln zuständig waren und daher ist auch Rot-Grün-Blindheit bei Männern stärker vertreten. Rot ist eine wichtige Leitfarbe, da sie auch einen biologischen Nutzen hat, Hautrötung kann als Zeichen für Schüchternheit oder Erregung erfasst werden und beeinflusst die Annährung eines Partners. Seit der Steinzeit wird Rot als Signalfarbe benutzt, in Steinzeitzeichnungen wurde das Wichtigste immer rot dargestellt – vor allem auch da Rot die einzige kräftige Farbe war, die natürlich vorzufinden war.

Blau übt als Farbe des Himmels und des Ozeans seit jeher eine starke Faszination auf den Menschen aus, da es als nicht greifbar galt. Es konnte zum ersten Mal mit der Entdeckung von Lapislazuli in Afghanistan als Farbe zur eigenen Verzierung verwendet werden. Lapislazuli gehört zu den Triebfedern der ersten Globalisierung, da für seinen Handel die erste Vorstufe der Seidenstraße entstand. Der Stein konnte aber nicht zur Pigmentgewinnung verwendet werden, da er beim Pulverisieren seinen Ton verliert. Die Ägypter waren die ersten die Farbpigmente chemisch herstellten, sie entwickelten Blau aus Kupferoxyd. Gemeinsam mit Gold galt Blau als das Symbol der Sonne, des Himmels und der göttlichen Kraft.

Mit der chemischen Entwicklung von Blaupigmenten öffnet sich die Tür für weitere Farbkreationen. Ein grüner Farbton wird aus pulverisiertem Malachit gewonnen. Auripigment, ein Arsen Sulfit, wird zur Basis von Gelb. Das Quecksilber haltige Zinnober wird verwendet für Feuerrot. Der Aufwand, Farbe ins Leben zu bekommen wird immer enormer – man entdeckt den Safrankrokus, der von Hand gepflückt und auseinandergenommen werden muss, um den Krokin-Farbstoff zu gewinnen. Taucht man Kleider in einen Sud aus Safran, werden sie gelb. Noch extravaganter ist die Herstellung des Farbtons Purpur – die Phönizier entdecken es als Resultat einer Reaktion eines Muschel-Sekrets auf Sauerstoff. Es ist so aufwendig in der Herstellung, dass es zum Markenzeichen der Könige und Mächtigsten der Kirche wird.

Die Welt des Altertums erscheint bunt - Farbstoffe aus Asien werden bis nach Europa und Afrika gehandelt. Sie verzieren verschwenderisch die Architektur und schmücken die Mode der Reichen. Farben sind wertvoll, beliebt und kennzeichnen sogar den gesellschaftlichen Status. In Rom ist Purpur dem Kaiser vorbehalten. Die Senatoren bekommen einen einzigen Streifen auf der Toga. Bürger und Adlige sind bunt gekleidet, Sklaven tragen Braun und Grau. Mit den Spielen im Kolosseum und im Circus Maximus bekommen Farben eine weitere Funktion, sie kennzeichnen Gruppen die nach und nach politischen Einfluss gewinnen und den Anfang der politischen Farbgebung bilden. Rot gilt bis heute als Symbol der Arbeiterbewegung. Schwarz ist die Farbe der Christdemokraten, welches auf die dunklen Priestergewänder zurück geht.

Auch in China nutzte der Kaiser Farben, um die Hierarchie in seinem Land darzustellen. Gelb, als Farbe des Reichtums und der Schöpfung, war bis 1911 nur dem chinesischen Kaiser zugeschrieben. Rot, als Farbe des Feuers und der Macht wird die Farbe für hohe Beamte. Braun und Weiß werden den Bauern zugewiesen.

Im frühen Mittealter verschwinden jedoch plötzlich die Farben wieder aus der europäischen Gesellschaft. Im Zuge der Völkerwanderung entsteht Chaos und die Menschen sind verstrickt im Kampf ums Überleben. Es herrschen Klimaschwankungen in der Mitte des 1. Jahrtausends, die zu Hunger und Krankheiten führen und es werden keine Färberpflanzen mehr angebaut, die Farben verschwinden. Erst 800 nach Christus endet die sogenannte graue Epoche mit der Thronbesteigung von Karl dem Großen. Er führt eine Landwirtschaftsreform ein, die bessere Erträge zur Folge haben soll und lässt wieder zahlreiche Färberpflanzen anpflanzen, mit der Motivation den Handel im europäischen Raum anzukurbeln. Der Plan geht auf und die Färberei entwickelt sich im Hochmittelalter zu einer angesehenen Zunft.

In dieser Zeit entstehen Farbcodes, die noch bis heute bestehen. Mal wieder können sich nur Könige und hochrangige Kirchvertreter es sich leisten Purpur zu tragen. Blau steht für Treue, Ruhe und Sachlichkeit. Moderne Bewerbungsratgeber geben auch heute noch den Tipp, beim Bewerbungsgespräch ein blaues Hemd mit purpurfarbenen Krawatte zu tragen. Auch der negativ behaftete Code für Gelb kommt aus dieser Epoche. Ab dem 12. Jahrhundert steht es bei christlichen Predigern als Farbe des Geldes für Gier und Sünde. Judas wird mit einem gelben Gewand gekennzeichnet. Juden müssen später erst gelbe Hüte, dann den gelben Judenstern tragen. In der Tierwelt ist Gelb das Abschreckungssignal. Der Mensch wird gelb wenn er krank ist. Gelb ist bis heute eine der am wenigsten beliebten Farben im europäischen Raum.

Farben treiben ab dem 15. Jahrhundert auch den Aufbruch in die moderne Welt voran. Ihr Handel und der einfache Transport macht sie genauso attraktiv wie Gold. Kolumbus war auf der Suche nach Indigo in Indien, als er statt auf Indien auf Südamerika stieß. Somit kann er die Nutzung der Koschenille-Schildlaus für die Produktion von Karminrot nach Europa bringen. Die Jagd nach Indigo geht weiter, in Indien überbieten sich die Portugiesen, Briten und Niederländer mit immer größeren Plantagen. Weitere Farben werden im 15. Jahrhundert gefunden und gehandelt. Brasilien wird nach dem dort gefundenen rotfärbenden Brasilholz benannt. Der Farbhandel verbindet Kontinente und fördert die Entdeckung der Welt.

Rund 600 Jahre später sind Farben so selbstverständlich geworden, dass es kaum mehr zu glauben ist, welchen Einfluss sie auf die politische und wirtschaftliche Entwicklung der Welt genommen haben. Durch die Entwicklung chemischer Färbemittel sind wir nicht mehr von natürlichen Rohstoffen fürs Färben abhängig. Konzerne wie Bayer oder BASF können täglich hunderte von Litern Farbe in mehr als 200 möglichen Schattierungen produzieren.

Trotz der enormen Präsenz von Farben in unserem Leben, nehmen sie aber nach wie vor starken Einfluss auf unser Fühlen und Denken. Wenn es darum geht die „richtige“ Farbe zu wählen vertraue einfach auf Deinen Instinkt – er wird Dich zur richtigen Entscheidung führen.